Sinne – sinnlich – Sünde

Vielleicht gibt es einen tiefer liegenden Sinn, dass das deutsche Wort für Sinne und das englisch Wort sin (Sünde) so eine enge Verwandtschaft aufweisen, denn obwohl wir ausdauernd die Wichtigkeit sinnlicher Erfahrungen preisen, haftet dem immer auch gleichzeitig immer etwas verruchtes und eben sündhaftes an. Wir klemmen in der Zweischneidigkeit von Tradition und kreativer Lebensgestaltung fest. Sünde bezeichnet den von Gott getrennten Zustand der eingetreten ist, weil sich der Mensch, indem er vom Baum der Erkenntnis gegessen hat, von Gott abwandte und damit begann das Dilemma, denn von diesem Augenblick an traten die Spielverderber auf den Plan die sich von Gott berufen erklärten, um alles was ihnen nicht passte mit einem „oh wehe“ oder „ogottogott“ zu versehen und noch eine Prise Verdammnis darüber zu streuen. Wirklich gefährlich ist hierbei nicht, dass verkrampfte Menschen ihre Sinnenfeindlichkeit heilig waschen sondern dass dahinter der blinde Gehorsam als Leitmotiv auftaucht und damit Sünde in seinem ursprünglich biblischen Sinn zelebriert wird, nämlich als Verdammung von Erkenntnis. Erkenntnis ist Wissen und Wissen ist das Recht auf eine eigene Meinung und damit auf Individualität. Wenn die einmalige Fähigkeit des Denkens jedoch dämonisiert ist geschieht genau das, was wir gerade mit Schaudern erleben, dass Menschen sich selbst ernannten Heilsbringern anschließen um unkritisch (das heißt ohne Überprüfung auf den Wahrheitsgehalt) Meinungen, Vorstellungen und Feindbilder zu übernehmen, um im schlimmsten Fall zu einer instrumentalisierten Gefolgschaft zu mutieren. Um den entgegenzusteuern lassen wir am besten mal die Sünde hinter uns und begeben uns auf die Entdeckungsreise, die uns unsere Sinne bietet und erfahren und erfühlen wer wir sind und was uns Freude und Lust bereitet, genau wie das, was wir nicht mögen oder was uns sogar anwidert. Aus all diesen unterschiedlichen Anteilen die uns unsere Sinne liefern entsteht real erfahrene und seiner selbst bewusste Ich, dass sich als echte Schöpfung begreifen kann.

Ein Gedanke zu “Sinne – sinnlich – Sünde

  1. Christiane Hermsen sagt:

    Die Assoziation sin-Sinne-Sünde gefällt mir wirklich gut. Sünde von Sund=Abgrund beinhaltet ja zunächst nur die christlich geprägte Vorstellung vom Graben zwischen Gott und Menschen. Die Sinnenfeindlichkeit, oder mehr noch die Sinnlichkeitsfeindlichkeit hat der Menschheit jede Menge teuflische Abgründe beschert.
    Seinen Sinnen nicht zu trauen, sondern sorgsam alle vermeintlichen Sünden zu vermeiden, führt zu Selbstgerechtigkeit. Diese Erkenntnis findet man auch in der vielfältigen Bibel.
    Der Buddhismus kennt keinen Sündenfall und kein großes Sündenbekenntnis. Im Gegenteil,der Mensch soll sich nicht als großen Sünder sehen und damit sich selbst klein machen, sondern sich um gute Gedanken und Taten kümmern.
    Sinnlichkeitsfeindlichkeit verbündet mit Heuchelei, Machtgier und vergleichbaren Sünden gräbt die teuflischen Abgründe und verstellt den Blick auf den eigenen Anteil an der Ungerechtigkeit in der Welt.
    Die kann man nur erkennen, wenn man seinen Sinnen für ein gutes Leben traut.

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